gott ist (k)eine karotte

Jährlich kommt der FB01 der JGU Mainz mit der Öffentlichkeit in Form des TheMa-Tages ins Gespräch. Die wissenschaftliche Theologie in Mainz zweier christlicher Konfessionnen teilt so ihre Fragen mit Interessierten jenseits der eigenen Grenzen.

In diesem Jahr stand die Gottesfrage im Mittelpunkt: Wie können wir heute von Gott redlich reden? Und wer macht sich eigentlich Gedanken über diese Frage?

Zusammen mit meinem Kollegen aus der Fundamentaltheologie durfte ich in einer Gesprächsgruppe auch meinen Beitrag leisten. Mit dem provokativen Titel „Gott ist eine Karotte“ wollten wir nicht nur viele Teilnehmer anziehen (das hat geklappt), sondern auch unser religiöses Reden irritieren. Warum messen wir der Aussagen „Gott ist dreifaltig“, „Gott ist mein Hirte“ oder „Gott ist groß“ mehr Bedeutung zu, als der Aussage, Gott sei eine Karotte? Muss das für den Außenstehenden nicht alles gleich absurd klingen?

Zugespitzt haben wir diese Irritation mit einem kurzen Fernsehbeitrag zu Objektophilie. Menschen sagen dort über ihre geliebten Gegenstände, sie fühlten sich von ihnen geliebt, angenommen und beschützt. Ohne Sinnverlust hätte man die Zuschreibungen an den Bagger auch an Gott formulieren können. Warum also sind wir uns so sicher, wenn wir sagen, dass Gott uns liebt?

Es war nicht unser Ziel, antworten auf die aufgeworfenen Fragen zu finden. Aber zumindest haben wir uns angeschaut, wie die Schrift mit diese Problem umgeht. Denn auch dort finden sich Ist-Aussagen über Gott: JHWH ist ein Krieger (Ex 15,3), JHWH ist Hirte Israels (Ps 80,2) etc. Aber diese Aussagen stehen nicht alleine da. Sie sind eingebettet in große Erzählungen und lange poetische Beschreibungen. Diese erzählen und besingen viel ausführlicher und vor allem facettenreicher als eine einzelne Aussage es könnte, wie sie Gott denken.

Was das den Lesern bringt? Nun, wir können unsere eigenen Geschichten und Lieder abgleichen. Wie erzählen und reden wir von Gott? Wo schieben wir satzhafte Wahrheiten vor, um zu verschleiern, dass wir nichts zu sagen haben? Die Schrift ist dabei deswegen ein verlässlicher Parnter, weil deren Texte nur deswegen überhaupt überliefert worden sind, weil man Ihnen eine Bedeutung zuschreiben konnte, die für Menschen als redliches Reden von Gott galt.

Wie durch Zufall stolperte ich am gleichen Tag über ein Zitat, dass diese Gedanken treffend zusammenfasst: Nicht weil etwas in autoritativen Texten steht, hat es Bedeutung, sondern was Bedeutung hat, schlägt sich in Texten nieder, die daraus ihre Autorität beziehen. (Matthias Wörther)

Posted by Benedict Schöning