poststrukturalismus

kopfschütteln Der erste Kontat mit dem Poststrukturalismus löst, und darauf sind seine Vertreterinnen vermutlich stolz, Irritationen aus. Da gehen Interpreten an Texte heran, ohne sich an Standards zu halten, an Vorergebnisse anzuknüpfen oder eine klar erkennbare Methode durchzuführen. Da bleibt keine Bedeutung auf der anderen, Worte werden wie wild gewendet und gedreht und am Schluss entsteht ein Sinn, der doch so nicht gemeint sein kann.

ablehnen Klar ist, dass so eine Haltung in der Wissenschaft falsch sein muss. Die Behauptung, Zeichen und Bezeichnetes, Wortbild und Gegenstand, hätten nichts miteinander zu tun hinterfragt doch grundsätzlich die Wissenschaftlichkeit dieses Tuns. Wie soll man nachvollziehbar mit anderen über Ergebnisse diskutieren, wenn sämtliche Semantik der Beliebigkeit anheimfällt?

lachen Aber ganz witzig ist es schon. Da nimmt einer das Χ (chi) aus dem Markusevangelium, wendet es zum deutschen ich, was auf Latein wiederum ego wäre und damit wieder dem griechischen ego eimi nahe ist, dass Jesus für sich in Anspruch nimmt. ego eimi ist auf französisch wieder je suis und von da – klar – ist der Weg nicht weit, zu Jesus. Das ist verrückt, macht aber doch gerade deswegen Spaß. Man darf alles, es ist ein freies Spiel mit Sinn und Bedeutung. Wo sonst erlaubt einem Universität so etwas?

durchführen Aber jetzt ernsthaft: Das Spiel ist nett und unterhaltsam. Aber schließlich bezahlt der Staat uns Forscher nicht für Spielereien, sondern für ernsthafte Arbeit. (Stimmt das überhaupt? Wer sagt denn das?). Also machen wir uns an die Arbeit und fangen mal mit den ersten Schritten an: Binäre Oppositionen durchbrechen. Diese Spielart des Poststrukturalismus, die Dekonstruktion, ist ein leichter Einstieg der fast unmittelbar Früchte trägt. Denn was wirklich gut und böse ist, was Mann und Frau wirklich unterscheidet, ob Frevler wirklich keine Gerechten sind, all das lässt sich wunderbar auflösen, wenn man anfängt sich selbst und seinen Voreinstellungen zu misstrauen.

für gut befinden Das Ergebnis mag sein, dass sich alles auflöst. Aber wenn man kritisch fragt, was sich gelöst hat, man selbst oder der Text, dann beginnt man auch Antworten auf Fragen zu finden, die man vorher nicht gestellt hat. Man bekommt neue Perspektiven auf einen Text, die vielleicht auch mit klassischen Methoden möglich gewesen wären, hätte es einen Weg gegeben, über den eigenen Schatten zu springen. Und das kann der Poststrukturalismus leisten. Seine Irritation führt zur Selbstdekonstruktion und damit letztlich zu neuer Faszination an alten Texten.

Posted by Benedict Schöning